Brandwache in Wipperfürth: Arbeiten an Fachwerk, Schiefer und Dach
In der Innenstadt von Wipperfürth stehen kleine Häuser Wand an Wand, viele mit Fachwerk, das hinter grauem Schiefer liegt. Wer hier Dachrinnen lötet, Bleche anschließt oder alte Farbe mit Heißluft entfernt, arbeitet nah an trockenem Holz, das von außen niemand sieht.
Haus an Haus im alten Stadtkern
Wie die Wipperfürther Innenstadt gebaut ist, beschreibt die Stadt in der Begründung zu ihrer Gestaltungssatzung aus dem Jahr 2020 recht genau. Drei Punkte daraus sind für jede Arbeit mit Hitze wichtig:
- Fachwerk
- Die bergische Bauweise prägen Fachwerkhäuser, oft auf einem sockel aus Bruchstein. Die Fassaden sind häufig mit dunkelgrauem Schiefer verkleidet.
- Bauweise
- Die Häuser sind meist zweigeschossig und klein, sie stehen in geschlossener Bauweise dicht nebeneinander.
- 60 Prozent
- Fast so viele Gebäude haben nach der Bestandsaufnahme Schaufenster im Erdgeschoss.
Zwischen den Hauptstraßen liegen kleine, namenlose Gassen, die die Begründung als sogenannte Brandgassen bezeichnet. Das ältere Handlungskonzept der Stadt von 2012 nennt dieses Netz aus Gassen in seiner Form im Bergischen Land einmalig, hält aber auch fest, dass diese Gassen oft durch mülltonnen zugestellt sind, und erwähnt starke Steigungen und Treppen an Fußwegen. Die Altstadt innerhalb der früheren Stadtmauer ist seit 1986 als Denkmalbereich geschützt.
Für den Brandschutz bei Bauarbeiten folgt daraus einiges. Ein Funke, der hinter eine Schieferverkleidung fällt trifft dort auf Holz. Bei geschlossener Bauweise kann ein Brand vom Dachraum des einen Hauses auf das Nachbarhaus übergreifen. Und die Rückseite eines Hauses ist oft nur über eine schmale Gasse erreichbar, die keiner im Blick hat, solange alle auf der Straßenseite arbeiten.
Quellen: Hansestadt Wipperfürth, Begründung zur Gestaltungssatzung Innenstadt (Stand September 2020), Integriertes Handlungskonzept Innenstadt (September 2012) und Denkmalbereichssatzungen (1986).
Wo am Altbau Hitze ins Spiel kommt
Schiefer selbst brennt nicht, und das Decken einer Fassade ist kalte Arbeit. Hinter dem Schiefer sitzt aber meist eine Unterkonstruktion aus Holz, dahinter das Fachwerk. Bei Sanierungen kommen an solchen Häusern typischerweise diese Arbeiten mit Flamme, Heißluft oder Funken vor:
- Rinnen und BlecheKlempner löten Rinnen, Kehlen und Anschlüsse aus Zink oder Kupfer mit dem Lötkolben oder mit offener Flamme.
- Flache DächerAuf Anbauten und Garagen werden Abdichtungen häufig mit dem Brenner verschweißt.
- Alte AnstricheFarbe an Fenstern, Türen und Holzteilen wird mit Heißluft gelöst, direkt am trockenen Holz.
- MetallteileGitter, Geländer oder alte Halterungen werden mit der Trennscheibe abgeschnitten.
Gefährlich ist dabei weniger die offene Flamme, die jeder sieht. Gefährlich ist die Glut, die sich in einer Fuge oder hinter einer Verkleidung festsetzt und erst Stunden später zum Brand wird, wenn das Gerüst längst verlassen ist. Deshalb gehört zu solchen Arbeiten eine Nachkontrolle. Wer sie übernimmt und wie lange sie dauert, steht im Erlaubnisschein. Wie Sie solche Arbeiten vorbereiten, steht ausführlich unter Heißarbeiten am Altbau vorbereiten. Die erste Frage bleibt immer, ob es auch ohne Hitze geht, etwa mit Klemmen, Schrauben oder Kleben.
Oben das Gerüst, unten das offene Geschäft
Weil so viele Häuser unten ein Schaufenster haben, wird in der Innenstadt oft über einem geöffneten Geschäft gearbeitet. Nachbarn wohnen oder arbeiten Wand an Wand. Vor dem ersten Lötkolben sollten deshalb ein paar Dinge geklärt sein.
Der Brandposten braucht Zugang zum Dachraum und zur Rückseite des Hauses, nicht nur zum Gerüst an der Straße. Materialien und Abfälle gehören nicht in die Gasse hinter dem Haus, denn dort stehen sie im Weg und im Zweifel genau unter der Arbeitsstelle. Die nachbarn sollten wissen, an welchen Tagen gearbeitet wird. Grenzt der Dachraum ohne feste Trennung an das Nachbarhaus gehört er mit in die Kontrolle. Und wer im Laden arbeitet, sollte wissen, wen er anspricht, wenn ihm Rauch oder Geruch auffällt.
Für die Planung sind in Wipperfürth außerdem diese Regeln der Stadt wichtig:
- Gestaltungssatzung
- Der Rat hat sie im September 2020 für den Kern der Innenstadt beschlossen. Bei Schieferfassaden an Gebäudeseiten, die das Ortsbild prägen, ist nur Naturschiefer zulässig. Sie bestimmt also mit, wie eine Fassade nach der Sanierung aussieht.
- Denkmalbereich
- Im Denkmalbereich Altstadt brauchen Maßnahmen eine Erlaubnis, wenn sie das Erscheinungsbild oder den Stadtgrundriss betreffen. Anträge bearbeitet die Untere Denkmalbehörde, nach einer Stellenausschreibung von 2022 bei der Stadtplanung angesiedelt.
- Bauaufsicht
- Wipperfürth steht in der Landesverordnung unter den Mittleren kreisangehörigen Städten. Nach der Landesbauordnung ist die Stadt damit selbst untere Bauaufsichtsbehörde.
Ob Ihr Vorhaben eine Erlaubnis oder Genehmigung braucht klären Sie mit der Stadt, bevor Termine für Handwerker und Brandposten feststehen.
Quellen: Hansestadt Wipperfürth, Gestaltungssatzung Innenstadt (Ratsbeschluss 22.09.2020), Satzung Denkmalbereich Altstadt und Stellenausschreibung Untere Denkmalbehörde (2022); Verordnung zur Bestimmung der Großen und Mittleren kreisangehörigen Städte; BauO NRW, § 57.
Sieben Kirchdörfer und 237 Weiler
Wipperfürth ist nicht nur seine Innenstadt. Das Stadtentwicklungskonzept von 2023 beschreibt eine weit verstreute Siedlung: Neben der Kernstadt gibt es sieben Kirchdörfer und 237 Weiler. Fachwerkhäuser mit grauen Schieferfassaden stehen auch in den alten Ortskernen der Kirchdörfer, für Arbeiten mit Hitze gilt dort also dasselbe wie in der Innenstadt.
Gleichzeitig ist Wipperfürth ein Ort der Produktion: Ende 2024 arbeiteten nach IT.NRW 51,2 Prozent der Beschäftigten am Arbeitsort im produzierenden Gewerbe. Das Konzept nennt unter den Gewerbegebieten Hämmern mit Kunststoff und Kfz-Gewerbe und Klingsiepen mit Metallverarbeitung und Baufachhandel. Wer dort an Hallen oder Anlagen schweißt oder trennt, hat es mit anderen Brandlasten zu tun als am Fachwerkhaus, etwa mit Kunststoff statt Holz. Danach richtet sich, was vor der Arbeit entfernt oder abgedeckt werden muss.
Für einen Einsatz außerhalb der Kernstadt zählt vor allem die genaue Lage. Nennen Sie uns bitte Ortsteil und Weiler, den treffpunkt und eine Person vor Ort, die Zufahrt und Gebäude kennt. Bei längeren Arbeiten stimmen wir ab, wo und wann die Übergabe zwischen den Schichten stattfindet.
Quellen: Hansestadt Wipperfürth, Wipperfürth 2040, Integriertes Stadt- und Dorfentwicklungskonzept (April 2023); IT.NRW, Kommunalprofil Wipperfürth (Stand 15.01.2026). Örtliche Gegebenheit, keine Referenz.
Vom Foto der Fassade bis zur Übergabe am Abend
Damit nach Arbeiten mit Flamme oder Heißluft keine Glut im Holz zurückbleibt, gehen wir so vor:
Fotos und Plan
Sie schicken Fotos von Dach und Fassade, die Art der Arbeiten und den Zeitraum.
Absprache mit dem Betrieb
Mit dem ausführenden Handwerker klären wir, wann welche Arbeit mit Hitze stattfindet.
Vorbereiten
Brennbares wird entfernt oder abgedeckt, Fugen und Öffnungen werden abgedichtet, Löschmittel stehen bereit.
Beobachten
Der Brandposten beobachtet die Arbeitsstelle, den Dachraum und die Rückseite zur Gasse.
Nachkontrolle
Nach Arbeitsende werden die Stellen kontrolliert, und der Bereich wird übergeben.
Beispiel zur Einordnung, keine Referenz: Die Eigentümerin eines zweigeschossigen Hauses in der Innenstadt lässt die Dachrinne und die Blechanschlüsse am Dachaufbau erneuern. Im Erdgeschoss bleibt das Ladengeschäft geöffnet. Während der Klempner die Zinkbleche mit der Flamme lötet, steht ein Brandposten auf dem Gerüst. Danach kontrolliert er den Dachraum und die Rückseite zur Gasse, bevor er den Bereich am Abend an die Eigentümerin übergibt.
Damit wir ein Angebot machen können, schicken Sie uns bitte Adresse oder Ortsteil, Fotos der betroffenen Stellen, die Art der Arbeiten, die Arbeitszeiten und den Namen des ausführenden Betriebs. Wenn ein Erlaubnisschein schon vorliegt schicken Sie ihn gleich mit. Bei brandschutzwache.de richten wir Brandposten und Brandwache für die Nachkontrolle nach diesen Angaben aus. Grundlegendes zu den Aufgaben finden Sie unter Brandposten auf Gerüst und Dach.
Die Begriffe Schweißerlaubnisschein und Brandlast erklärt das Glossar.
- Einsatzgebiet
- Wipperfürth, Oberbergischer Kreis. Die Seite beschreibt ein Einsatzgebiet, keine Niederlassung.
- In der Nähe
- Hückeswagen, Radevormwald, Lindlar, Marienheide, Kierspe
Häufige Fragen zu Arbeiten an Wipperfürther Altbauten
Braucht das Löten an einer Dachrinne wirklich einen Brandposten?
Das legt der Erlaubnisschein fest, den der Auftraggeber der Arbeit ausstellt. Bei einem Fachwerkhaus mit Holz direkt hinter der Verkleidung spricht viel dafür. Der Handwerker hat beim Löten die Lötstelle im Blick und nicht den Spalt unter dem Blech. Genau dafür ist eine zweite Person da.
Muss ich für Arbeiten in der Altstadt etwas beantragen?
Im Denkmalbereich Altstadt braucht eine Maßnahme eine Erlaubnis, wenn sie das Erscheinungsbild betrifft. Für die Gestaltung von Dach und Fassade gilt im Kern der Innenstadt außerdem die Gestaltungssatzung. Was das für Ihr Haus bedeutet, beantwortet die Stadt. Den Brandposten planen wir unabhängig davon für die Tage, an denen mit Hitze gearbeitet wird.
Wie lange dauert die Kontrolle nach den Lötarbeiten?
Eine feste Zahl gibt es dafür nicht. Die Dauer steht im Erlaubnisschein und richtet sich nach Arbeit und Umgebung. Bei Holz hinter Verkleidungen und in Dachräumen sollte die Kontrolle länger dauern als bei einem Blechdach über Beton.
Planen Sie auch Einsätze in den Kirchdörfern und Weilern?
Ja, das Einsatzgebiet umfasst das ganze Stadtgebiet von Wipperfürth. Je abgelegener ein Hof oder Betrieb liegt desto wichtiger sind eine genaue wegbeschreibung und ein fester Treffpunkt. Sagen Sie uns auch, wie das Gebäude für Fahrzeuge erreichbar ist.
Schildern Sie uns Ihren Bedarf.
Ob geplanter Termin oder kurzfristiger Anlass: Mit Ort, Zeitraum und einer kurzen Beschreibung können wir Ihre Anfrage einordnen und ein passendes Angebot vorbereiten.