Anschluss an Bestehendes
Neue Leitungen für Dampf oder Abluft werden an Netze angeschlossen, die durch laufende Hallen führen. Papierstaub, Fasern oder Öl können nahe an der Schweißstelle liegen.
In Kreuzau arbeitet fast die Hälfte der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe. Zwei Papierfabriken haben in den vergangenen Jahren Genehmigungen für neue Kessel, andere Brennstoffe, mehr Kapazität und neue Abluftanlagen erhalten oder beantragt. Solche Projekte dauern Monate, und gebaut wird neben Maschinen, die weiterlaufen.
In der Gemeinde Kreuzau macht das produzierende Gewerbe einen großen teil der Arbeitsplätze aus. Statistik und Genehmigungsunterlagen zeigen, in welchen Größenordnungen dort gearbeitet und gebaut wird:
Das Werk stellt Rohpapiere für Wellpappe her und hat mit der höheren Kapazität auch eine neue Abluftführung an einer Papiermaschine mit zentralem Kamin beantragt. In einem zweiten Papierwerk in der Gemarkung Winden genehmigte die Bezirksregierung im August 2023, in zwei Kesseln der Heizzentrale Holzbrennstoff einzusetzen. Zum Antrag gehörte dort eine brandschutztechnische Stellungnahme mit einem Dokument zum Explosionsschutz.
Für Brandposten und Brandwache folgt daraus: Eine Baustelle in einem laufenden Papierwerk ist kein abgetrennter Bereich, sondern liegt mitten zwischen Maschinen, eigener Brandlast und eigenen Regeln für Fremdfirmen. Wer in einem solchen Werk einen Posten einsetzt, muss die Arbeitsstelle kennen und auch das, was in der Halle darunter und daneben läuft.
Quellen: IT.NRW, Kommunalprofil Kreuzau (Stand 15.01.2026); Bezirksregierung Köln, Bekanntmachung Papierfabrik Niederauer Mühle (09.01.2023), Bescheid Energiezentrale und Bescheid Heizzentrale Metsä Tissue (07.08.2023). Örtliche Gegebenheit, keine Referenz.
Bei den beiden Kreuzauer Papierfabriken war die Bezirksregierung Köln Genehmigungsbehörde nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. In beiden Verfahren war die Kreisverwaltung Düren als Bauordnungsamt und Brandschutzdienststelle beteiligt, im Verfahren zur Heizzentrale außerdem die Gemeinde als Planungsamt. Der Bescheid zur Energiezentrale nennt mehrere Termine, die für die Planung von Posten und Rundgängen wichtig sind.
| Station | Regelung im Bescheid | Bedeutung für die Planung |
|---|---|---|
| Baustelle einrichten | Ein Dezernat der Bezirksregierung ist mindestens zwei Wochen vorher zu informieren. | Bis dahin sollte feststehen, wer Heißarbeiten freigibt und wer sie überwacht. |
| Bauen nach Konzept | Ein Brandschutzkonzept ist zu beachten, Abweichungen von der Industriebaurichtlinie beruhen darauf. | Das Konzept beschreibt den fertigen Bau. Für die Wochen mit offenen Wänden braucht es eine eigene Absprache. |
| Rohbau und Fertigstellung | Beides ist der Bauaufsicht anzuzeigen, dazu spätestens mit der Fertigstellung die Bescheinigung eines staatlich anerkannten Sachverständigen, die den konstruktiven Brandschutz einschließt. | Bis dahin lagert material im Bau, und die Technik ist noch nicht in Betrieb. |
| Inbetriebnahme | Der Zeitpunkt ist der Überwachungsbehörde mindestens eine Woche vorher anzuzeigen. | Das erste Anfahren neuer Kessel wird als eigener Abschnitt geplant. |
Diese Pflichten gelten für den jeweiligen Bescheid und nicht automatisch für andere Vorhaben. Sie zeigen aber, dass ein solcher Anlagenumbau mehrere Termine hat, an denen sich Zuständigkeiten und Gefahren verschieben. Einen Brandposten schreibt keiner der beiden Bescheide vor. Ob eine Heißarbeit bewacht wird ergibt sich aus Erlaubnisschein, Gefährdungsbeurteilung und den Regeln des Werks.
Lücken können an den Übergängen entstehen, etwa wenn die Montagefirma abzieht und der Betreiber den Bereich noch nicht übernommen hat.
Bauzeitenplan schicken und Posten planen
Quellen: Bezirksregierung Köln, Bescheid Energiezentrale (Antrag vom 12.10.2021), Nebenbestimmungen 5.1.1, 5.3.3 bis 5.3.6 und 5.4.1; Bescheid Heizzentrale, Nebenbestimmung 5.1.1.
Ein Kessel- oder Abluftprojekt besteht aus vielen einzelnen Arbeiten. Vier Situationen verlangen in einem Papierwerk besondere Aufmerksamkeit:
Anschluss an Bestehendes
Neue Leitungen für Dampf oder Abluft werden an Netze angeschlossen, die durch laufende Hallen führen. Papierstaub, Fasern oder Öl können nahe an der Schweißstelle liegen.
Brennstoff in der Nähe
In Papierwerken kann es um Kohle oder Holzbrennstoff für die Kessel gehen. Wird an Förderwegen, Bunkern oder Silos gearbeitet, beobachtet ein Posten auch tiefere Ebenen.
Neue Gebäudeteile
Für das geplante Kesselhaus verlangte der Bescheid teils feuerbeständige Außenwände. Solange solche Wände offen sind kann eine Brandwache in Rundgängen die Bereiche mit Dämmung und Material kontrollieren.
Kurze Produktionspausen
Wird die Produktion für Anschlüsse nur kurz angehalten, arbeiten viele firmen gleichzeitig, und die Kontrolle nach Arbeitsende darf nicht im Schichtwechsel untergehen.
Ein Brandposten bleibt während der Arbeit an der Stelle, hält ein Löschmittel bereit und prüft danach die Umgebung, auch hinter Verkleidungen. Eine Brandwache geht dagegen in festgelegten Abständen über das Baufeld wenn dort niemand arbeitet. In großen Projekten braucht man meist beides, in wechselnder Zusammensetzung. Mehr dazu unter Aufgaben eines Brandpostens bei Schweißarbeiten.
Die Begriffe Schweißerlaubnisschein, Brandabschnitt und Brandlast sind im Glossar erklärt.
Kreuzau gehört nicht zu den Kommunen, die das Land als Große oder Mittlere kreisangehörige Stadt bestimmt hat. Damit liegt die Bauaufsicht nach der Landesbauordnung beim Kreis, und an einem Vorhaben sind meist mehrere Stellen beteiligt:
Bei Umbauten ohne Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, etwa in einer Lagerhalle, bearbeitet das Bauordnungsamt des Kreises den Bauantrag. Welche Stelle eine bestimmte Brandschutzfrage beantwortet, klären Sie zuerst dort.
Quellen: Kreis Düren, Bauordnungsamt, Wer macht was? und Brandschutz; Gemeinde Kreuzau, Amtsblatt Nr. 06/2023; Verordnung zur Bestimmung der Großen und Mittleren kreisangehörigen Städte; BauO NRW, § 57.
Fünf Schritte führen vom Bauzeitenplan zur Besetzung der Arbeits- und Ruhezeiten:
Bauzeitenplan lesen
Welche Arbeiten sind heiß, wann und wo, auch bei beauftragten Fremdfirmen?
Werksregeln klären
Wer stellt Erlaubnisscheine aus, wo stehen Löscher, wie wird Alarm ausgelöst?
Posten zuordnen
Brandposten für Heißarbeiten, Rundgänge für Zeiten ohne Arbeit, beides nach Absprache.
Übergänge sichern
Schichtwechsel, Wochenenden und die Tage um Rohbau, Fertigstellung und Inbetriebnahme.
Festhalten
Kontrollen, Auffälligkeiten und Übergaben so dokumentieren, wie es vereinbart ist.
Beispiel zur Einordnung, keine Referenz: Ein Betrieb mit Lagerhalle lässt bei laufendem Betrieb einen Teil des Hallendachs erneuern. Dachdecker dichten mit Flamme ab, ein Schlosser trennt alte Stahlprofile über der gelagerten Ware. Ein Brandposten begleitet jede dieser Arbeiten und kontrolliert die Halle danach. Solange das Dach offen ist, gehen an den Wochenenden Rundgänge einer Brandwache durch die Halle.
Für ein Angebot helfen uns ein Lageplan mit dem Baufeld, der Bauzeitenplan, eine Liste der Heißarbeiten, die Regeln des Werks für Fremdfirmen und je ein Ansprechpartner aus Werk und Bauleitung. Auf dieser Grundlage planen wir bei brandschutzwache.de mit Ihnen, welche Posten und Rundgänge in welchen Wochen nötig sind. Hintergrund bietet die Seite Umbau und Instandhaltung bei laufender Produktion. Wer die Brandschutzorganisation nach dem Projekt dauerhaft betreuen lassen möchte findet Hinweise zur Betreuung durch einen externen Brandschutzbeauftragten.
Der Kreis Düren, denn Kreuzau ist keine Große oder Mittlere kreisangehörige Stadt. Bei den Kreuzauer Papierfabriken war die Bezirksregierung Genehmigungsbehörde und hat den Kreis beteiligt. Für andere Anlagen erfragen Sie die Zuständigkeit beim Kreis.
Die beiden Kreuzauer Bescheide sagen dazu nichts. Sie verweisen auf Brandschutzkonzept, Stellungnahmen und Sachverständige. Ob eine Schweißarbeit bewacht wird, regeln Erlaubnisschein und die Vorgaben des Werks.
Die Brandverhütungsschau ist nach § 26 BHKG eine Aufgabe der Gemeinde, die sie per Vereinbarung auf den Kreis übertragen kann. Kreuzau erhebt dafür Gebühren nach einer eigenen Satzung. Wer den termin in Ihrem Betrieb wahrnimmt, erfahren Sie bei der Gemeindeverwaltung.
Sie kann offene Bereiche in Rundgängen kontrollieren und Auffälligkeiten früh melden. Sie ersetzt aber keine Wand und keine Brandschutztechnik. Ob Rundgänge für eine Bauphase reichen legen Sie mit Ihrem Brandschutzplaner und dem Werk fest.
Ob geplanter Termin oder kurzfristiger Anlass: Mit Ort, Zeitraum und einer kurzen Beschreibung können wir Ihre Anfrage einordnen und ein passendes Angebot vorbereiten.